Berlin: Neue Geheimtipps aus der Hauptstadt

Der Mauervorsprung an der Brücke bietet Romantik pur - nur einer von vielen Berlin-Insidertipps
Der Mauervorsprung an der Brücke bietet Romantik pur – nur einer von vielen Berlin-Insidertipps

Berlin-Urlauber haben meist ein festes Programm – Brandenburger Tor, Reichstag und Schloss Bellevue sind typische Stationen. Doch in Berlin gibt es noch viel mehr. fliegen-sparen.de macht den Hauptstadt-Check und präsentiert neue Geheimtipps an der Spree.

Das Dong-Xuan-Center: Shoppen auf vietnamesische Art

Schlägt man den Vorhang am Eingang der Halle zurück, verlässt man Berlin-Lichtenberg – und steht im nächsten Augenblick mitten auf einem Markt irgendwo in Asien: Hier gibt es knallbunte Stoffblumen, blinkende Feuerzeuge, Winkekatzen, Jogginghosen im 10er- und 50er-Paket, duftenden Koriander, Nagellackpaletten, Hochzeitskleider mit Maßschneiderei und Turnschuhe, auch nur im 10er-Pack. Auf großen Bildschirmen laufen vietnamesische Musikvideos mit viel Weichzeichner. Es herrscht eine bizarre Mischung aus wuseliger Umtriebigkeit und südländischer Trägheit.

Nur 15 Minuten vom Alexanderplatz entfernt, befindet sich diese vietnamesische Welt mitten in Berlin. Die Welt heißt »Dong Xuan« – »die Frühlingswiese«, und sie blüht mitten auf dem brachliegenden Industriegebiet von Lichtenberg. Dort, wo früher die Kraftwerke der VEB Elektrokohle rußten, stehen die vier weißen Großmarkthallen in einem endlos scheinenden Nirgendwo.

Von den Fassaden und Stellwänden leuchten bunte Plakate mit asiatischen Menschen darauf, doch wofür sie werben, versteht nur, wer vietnamesisch spricht. Tatsächlich leben rund 12.000 Vietnamesen in Berlin. Die meisten von ihnen kamen als Vertragsarbeiter in die DDR – und sind nach der Wende geblieben.

Adresse: Herzbergstraße 128–139, 10365 Berlin-Lichtenberg; ÖPNV: Tram M8, 21, Haltestelle Herzbergstraße/Industriegebiet; Öffnungszeiten Mi–Mo 9–20 Uhr, die Geschäfte in den Hallen öffnen individuell.

Die Lilienthal-Burg: Ritter in Berlin?

Die verzierten Pfosten, die Ketten an beiden Seiten – kein Zweifel: Der Weg zur Haustür führt hier über eine Zugbrücke! Und das ist nur eines von vielen Details, die aus der Villa eine kleine Ritterburg machen – und ihr einen märchenhaften romantischen Anschein verleihen. Gustav Lilienthal, der Bruder des berühmten Fliegers Otto Lilienthal, hat diese Burg 1893 gebaut, ebenso wie eine ganze Ansammlung von Landhäusern mit Türmchen, Erkern und Zinnen in seiner Nachbarschaft.

Heute erinnert nicht nur die Gedenktafel im Vorgarten an die Fliegerfamilie in Lichterfelde, sondern auch Anna Sabine Halle, die Enkeltochter von Gustav Lilienthal. Die 90-Jährige lebt in der Burg und hält ihr Erbe aufrecht, indem sie die Geschichte des Hauses und seiner Bewohner weitererzählt. Wenn man Glück hat, dann trifft man Frau Halle vielleicht auf der Bank in dem Rosengarten vor dem Haus – und erfährt in diesem Fall nicht nur etwas über die architektonischen Besonderheiten, sondern auch, was sich dahinter verbirgt.

Adresse: Marthastraße 5, 12205 Berlin-Steglitz; ÖPNV: Bus X11, Haltestelle Holbeinstraße; Bus 188, Haltestelle Baseler Straße

Der Mauervorsprung an der Brücke: Romantik pur

Kaum ein Berliner weiß, wie die Brücke heißt. Die meisten kennen sie nur als »die Fußgängerbrücke«. Hier zeigt sich Berlin in seiner ganzen alten Pracht. Um das Wasser herum erheben sich stolz und über jede Mode erhaben die Alte Nationalgalerie, der Dom und die alte Börse. Aber das, was diesen Ort so herausragen lässt, ist seine Lage. Denn wenn die Sonne wie ein orangefarbener Ball vor dieser Kulisse über der Spree untergeht…

Aber leider ist das auch der Grund, warum die romantischste aller Berlin-Brücken völlig überladen ist: mit Akkordeonspielern, mit Klapptischen voller Pelzmützen, Mauersteinen und Mamuschka-Puppen – und natürlich mit unzähligen Touristen selbst. Deswegen müsste der Fußgängerbrücke eigentlich auch jede Romantik wieder abgesprochen werden – wenn es nicht die beiden geheimen Inseln gäbe, auf die man sich flüchten kann.

Wer den Sonnenuntergang in Mitte wirklich genießen möchte, der muss über das Steingeländer klettern. Auf beiden Uferseiten der geschwungenen Brücke liegt dort ein Vorsprung, auf dem man gut zu zweit oder zu dritt sitzen kann. Hier ist man ganz für sich. Die Steine sind von der Sonne aufgewärmt – und sogar die Akkordeonmelodien passen auf einmal zu dem malerischen Bild.

Adresse: Friedrichsbrücke, 10178 Berlin-Mitte; ÖPNV: S3, S5, S7, S75, Tram M4, M5,
Haltestelle Hackescher Markt; Tram M1, 12, Haltestelle Am Kupfergraben

Neu-Venedig: Grüne Oase in Berlin

Alles guckt hier aufs Wasser: die Gartenzwerge, die Stühle unter der Trauerweide und natürlich die Paare im Freizeitlook im Garten vor der Laube. In Neu-Venedig hat jedes Haus einen Straßen- und einen Wasserzugang. Für einen Besuch empfiehlt es sich, in einem nahen Bootsverleih auf die Wasserstraßen umzusteigen. Zwar kommt man auch zu Fuß über die kleinen geschwungenen Brücken weiter, allerdings bleibt einem dann nur ein sehnsuchtsvoller Blick von der Mitte der Brücke über das Wasser – bevor man wieder runter muss auf die staubigen Schotterwege der Siedlung.

Bis in die 1920er Jahre gab es hier nichts als sumpfiges Wiesenland. Doch dann wurden die Spreewiesen mit einem dichten Netz von Kanälen entwässert und das gewonnene Land in Parzellen eingeteilt. Das Gebiet gilt nach wie vor als Flutgelände, was bedeutet, dass die Gärten und Häuser bei drohendem Hochwasser geflutet werden können, um so die Stadt Berlin vor einer Überschwemmung zu schützen.

Aber da es nur ein einziges Mal dazu kam, und das auch nur nach dem Krieg durch eine beschädigte Schleuse, werden die Häuser in Neu-Venedig inzwischen immer größer. Prächtige Villen im neu-römischen Schick, mit Sockeln, Säulen und zartrosa Farbanstrichen, entstehen neben den alteingesessenen, robusten Wochenendlauben.

Das hebt die Dimensionen der ganzen Siedlung aus den Fugen. Aber vom Wasser aus bleibt der Blick weitgehend ungetrübt, denn das Schilf um die Stege und die Hollywoodschaukeln neben den Gartenpavillons 111 Orte in Berlin, die man gesehen haben musshalten zumindest den Anschein der Kleingartenidylle aufrecht.

Adresse: Gebiet zwischen Rialtoring und Lagunenweg, 12589 Berlin-Köpenick; ÖPNV: Bus 161, Haltestellen Schönblicker Straße oder Lagunenweg

Diese und viele weitere Berlin-Insidertipps finden sich im neuen Reiseführer „111 Orte in Berlin, die man gesehen haben muss“ von Carolin Huder und Lucia Jay von Seldeneck. Infos unter www.emons-verlag.de

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