Dänemark: Breiter Strand und bunter Himmel auf Fanø

Reise in eine vergangen geglaubte Zeit: Die dänische Insel Fanø bezaubert durch ihre alltägliche Idylle
Reise in eine vergangen geglaubte Zeit: Die dänische Insel Fanø bezaubert durch ihre alltägliche Idylle

Fanø, die nördlichste Insel im europäischen Wattenmeer, liegt 50 Kilometer von Sylt entfernt. Gerade mal zwölf Minuten braucht die Fähre von der Industriestadt Esbjerg bis zum beschaulichen Hauptort Nordby. fliegen-sparen.de auf einer Reise aus dem 21. Jahrhundert in eine vergangen geglaubte Zeit.

Ein Inselchen im Wattenmeer, 16 Kilometer lang, fünf Kilometer breit, knapp 3.200 Einwohner. Kein Wunder, dass dort jeder jeden kennt und fast alles mit allem zusammenhängt. In Nordby und erst recht in Sønderho an der Südspitze, den beiden einzigen Dörfern, die diesen Namen verdienen, zeigen Segelschiffe auf dem Reetdach die Windrichtung an; die niedrigen Häuser, in denen früher Kapitäne (oder ihre Witwen) wohnten und hier und da noch heute die Nachfahren der alten Seemannsdynastien, strahlen Geborgenheit und gewachsenen Wohlstand aus. In den dänisch-bunten Gärten, die immer so unaufgeräumt wirken, trocknet die Wäsche in der Brise. Die Idylle gehört hier zum Alltag.

Der Bäcker in Sønderho arbeitet nicht wesentlich anders als es sein Großvater an gleicher Stelle getan haben mag, und Schlachter Christiansen, hat zwar seinen legendären Laden in Nordby längst mit modernen Kühlregalen ausgerüstet, aber seine hausgemachte Wurst, sein Schinken, seine Leberpastete schmecken nach früher, nach damals.

Und in den Gasthäusern, den Kroer hockt man hyggelig zusammen, das heißt gemütlich, stets mit dem Blick auf die Erinnerungen an eine große, maritim geprägte Vergangenheit. Die Insel ist, wie gesagt, kuschelig und winzig, nur wenig mehr als halb so groß wie Sylt. Aber am Strand, 16 Kilometer lang und zwei, drei Kilometer breit bis in die faszinierende Dünenlandschaft hinein, ist reichlich Platz, so viel wie Sand am Meer.

Vor fast 90 Jahren stellten hier Rennfahrer Geschwindigkeitsrekorde auf. Und noch immer dürfen Autos bis ans Wasser fahren, allerdings mit maximal 30 Stundenkilometern. Die Insulaner verteidigen diese Tradition mit dem Argument, dass man ansonsten Parkplätze bauen müsste, womöglich im Dünengürtel oder in der Heide.

Mit dem Auto am Strand

Die Autos am Strand, so sagt Marco Brodde, Ranger, Ornithologe und Naturfreund mit Herz und Seele, ganz gelassen, stören das Leben im Wattenmeer nicht. Selbst gegen Wanderungen durch die Dünen, die durch Bewuchs gut geschützt sind, hat er nichts einzuwenden. Fast jeden Tag zieht der studierte Biologielehrer, der beim Fischereimuseum in Esbjerg angestellt ist, mit Spektiv und Skizzenblock durch die Botanik: Wie geht`s heute den Heulern und den Kegelrobben auf den Sandbänken? Ist die Brutzeit der Austernfischer, Rotschenkel oder Kiebitz vorbei?

Schon im Mai ist einiges los in der amphibische Wunderwelt. Aber erst in wenigen Wochen, wenn die ersten Zugvögel aus dem Norden auf jene gefiederten Nomaden treffen, die als letzte aus dem Süden zurückkommen, geht es hoch über Fanø und tief im Schilf richtig bunt und lebhaft zu. Auch die Küstenlandschaft bewegt sich ständig, wenn auch nur über Jahre hinweg sichtbar: An der Südküste schrumpfen gerade mal wieder die Dünen, ein paar Kilometer weiter nördlich wachsen sie, ebenso die Sandbänke, die Marschinseln und andere Biotope.
Drachen am Himmel von Fanø

Ein ganz anderes Spektakel lockt jedes Jahr im Juni einige tausend Menschen, die ein und dieselbe Leidenschaft teilen, auf die Insel. Dann nämlich färbt sich der Himmel tagelang in den wildesten Farben, und diesmal führt nicht die Natur Regie. Die Drachen sind los, heißt das Motto seit Jahrzehnten, wenn Könner und Kinder, Freaks und Familien ihre kreativen Kunstwerke steigen lassen.

Die Fanniker, so nennen sich die Eingeborenen, lieben ihre verrückten Drachenmenschen. Weil mit ihnen schon vor der Hauptsaison Frohsinn einkehrt, weil sie schlicht zu ihnen passen. So werden bei Marianne, der resoluten Wirtin von Nana`s Stue, einer Traditionskneipe in Sønderho, gern mal zu später Stunde die Tische an die Seite geräumt, und es geht ab, was in Norddeutschland Dans op de Deel heißt.

Spätestens nach zwei Wochen, wenn die Fans wieder abgereist sind, fällt die kleine Ferieninsel in ihren gewohnten Rhythmus zurück. Weitere Informationen finden Interessenten unter www.visitfanoe.dk (Bild: VisitDenkmark/John Sommer)

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