Baja California/Mexiko: Wüste, Kakteen & Wale

Herrliche Ausblicke in Baja California: die Kupferschlucht bei Posada Barrancas
Herrliche Ausblicke in Baja California: die Kupferschlucht bei Posada Barrancas

Genau 1.708 Kilometer misst die Straße längs durch Niederkalifornien – und alle paar Kilometer wechselt die Landschaft. Die Nationalstraße Mexico Nr. 1 führt streckenweise am Pazifik entlang, um dann an den Golf von Kalifornien auf der anderen Seite von Baja California überzuwechseln. fliegen-sparen.de auf Tour.

Niederkalifornien ist weitgehend „naturbelassen“ und deshalb auch ein Paradies für Extremsportler. Etwa solche, die sich auf schmalen starken Motorrädern zwischen Riesenkakteen hindurchschlängeln wollen. Sie fahren meist im Pulk und haben alles dabei, was ein Schrauber braucht, um einen möglicherweise stotternden Motor wieder zum kraftvollen Summen zu bringen. „Auf Baja California solltest du besser keine Panne haben“, meint Don Nelson aus Arizona, eine Tankstellenbekanntschaft. Hier in El Rosario, noch im oberen Drittel der Halbinsel Niederkalifornien, die hier nur „Baja“ genannt wird, wartet man immer an der Tankstelle. Don rät: „Mach den Tank ganz voll. Die nächste Tankstelle kommt erst nach 314 Kilometern, riskier´ nichts“.

Baja California: Abwechslungsreiche Landschaft & wenig Tankstellen

Die Landkarte für Baja ist extra lang, und diese mexikanische Halbinsel, die Fortsetzung des amerikanischen Kaliforniens, wirkt darauf – in zwei Hälften geteilt auf der Vorder- und Rückseite – wie ein Schlauch. Es gibt nur eine Straße von der Grenze zu den USA bis an die Südspitze der Halbinsel. Entlang der 1708 Kilometer dieser „Carretiera Peninsular“ sind 20 Tankstellen markiert. Mehr nicht.

Die Wüste hier oben in 1.000 Metern Höhe wirkt, als hätte es Granitblöcke geregnet. In den Lücken dazwischen wachsen Cardón-Kakteen. Sie wirken mit ihren nach oben gereckten Seitenarmen immer so, als hätte jemand gerade „Hände hoch“ gerufen. Mit ihrer Größe von bis zu 20 Metern überragen sie hier alles.

Sie kämpfen um die besten Plätze mit den Cirios. Das sind Wüstenpflanzen, schlank und hoch wie Schiffsmasten. Ihre Blätter sehen so aus, als wären sie an den Stamm angeklebt. Elefantenbäume mit ihren dicken Stämmen stehen Don und den anderen Bikern bei ihren Querfeldein-Touren oft im Weg. Dabei reichten ihnen für das Vorwärtskommen Spalten zwischen den Steinen und Pflanzen, die nicht viel breiter sind als die Bike-Reifen.

Wo die Biker Mantas treffen: Abenteuer am Golf von Kalifornien

Die Biker, die im Nirgendwo der Baja-Wüsten unterwegs sind, pflegen seltsame Bräuche. Eine beliebte Tour etwa führt über schwierige Abhänge bis hinunter zum Golf von Kalifornien. Dort wartet Maria, die Wirtin des „Costa del Sol“ Motels in Bahia de los Angeles direkt an der Golfküste, mit dem Essen auf diese Gäste. Eine Wand im Restaurant des Hotels ist schon voll mit Biker-Kappen. Und die Biker bringen ihr immer mehr mit.

Baja California: Top-Ziel für Walbeobachtungen

Diese Engelsbucht zwischen Wüste und Meeresarm ist wegen des stahlblauen Wassers und den vielen Inselchen und Inseln mit die schönste Bucht auf der Ostseite von Baja. Einige Bootsbesitzer laden die Besucher ein, sie zu den Pelikankolonien, den Nistplätzen der Heermann-Möwen, Fischadler oder Prachtfregattvögeln hinaus zu fahren, die man in diesem Naturschutzpark in unübersehbaren Scharen beobachten kann. Mit etwas Glück zeigen sich unterwegs dazu Mantas, Hammer- und Tigerhaie oder auch mal Wale. Delphine umschwimmen fast immer die Boote.

Wer nur wegen der Wale nach Baja California kommt, fährt allerdings zur Pazifikküste und trifft dort auf Esido Beneito Juarez . Immer ab Mitte Januar bis in den späten März holen er und seine Fischer-Kollegen von Guerro Negro die Netze aus ihren Booten, bauen Sitze ein und fahren die Walbegeisterten hinaus auf die „Laguna Ojo de Liebre“.

Santa Rosalía/Baja California: Das beste Brot der Welt:

Hinter den „Los Tres Virgines“ (drei Jungfrauen), vor 250 Jahren erloschene Vulkane, die mit ihren bis zu 1920 Meter hohen Bergkegeln den Weg nach Süden durch viele Serpentinen verlängern, gibt es „das beste Brot der Welt“. Das wenigstens behauptet der 72 Jahre alte Arturo Castélun Arce, der mit einigen Kollegen die 1901 gegründete Bäckerei der französischen Minengesellschaft El Boleo in Gang hält.Hier in Santa Rosalía haben die Franzosen reiche Kupfervorkommen ausgebeutet und Arturo und Freunden das Brotbacken beigebracht.

Vorbei an Mulegé, wo ein unterirdischer Fluss zu Tage tritt, geht es nach Loreto, ein historisch bedeutsamer Ort. Hier setzte 1607 ein Schiff den Pater Juan Maria Salvatierra an Land. Er gründete in Loreto die erste aller Missionen Kaliforniens. Loreto wurde danach für lange Zeit zum weltlichen und geistlichen Zentrum von Nieder- und Hoch-Kalifornien, dem heutigen US-Staat California.
Sehnsuchtsziel Cabo San Lucas & „Los Arcos“

Spätestens hier packt das Kap-Fieber die Touristen. Ihr Sehnsuchtsziel ist Cabo San Lucas, das Kap des heiligen Lucas, und der dortige Felsbogen „Los Arcos“. Hier treffen der Golf von Kalifornien und der Pazifik aufeinander, und er ist das Ziel der vielen Glasbodenboote, die von der Stadt am Kap ständig zum Arcos und zurück fahren. Unter dem Boot schwimmen riesige Fischschwärme hindurch und auf den Felsen darüber warten die Seelöwen, Möwen und Pelikane, um Beute machen zu können. Los Arcos ist der sehenswerte Endpunkt von Baja, ein Granitfelsen, der aussieht wie ein Drachen, der im Meer trinkt. Hinter Los Arcos beginnt das weite Meer. (Text: Armin E. Möller & Ursula Meister, 2/10; Bild: Armin E. Möller)

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