China: Die Gärten von Suzhou

China Suzhou - Wasserfall mit Pavillion
China Suzhou – Wasserfall mit Pavillion

In 25 Minuten ist die Vergangenheit erreicht. So lange dauert die Fahrt mit dem Hochgeschwindigkeitszug von Shanghai nach Suzhou, berühmt für seine historischen Gärten. Die Zugfahrt mag gerade mal für ein Nickerchen reichen, aber der Wechsel der Szenerie könnte nicht gründlicher sein. Eine Phalanx aus Hochhäusern und eine mehrspurigen Schnellstraße begrenzen scharf ein weites, auf den ersten Blick recht grünes Geviert, auf dem sich noch heute die Altstadt von Suzhou erstreckt. Die weitgehend erhaltene Altstadt ist alles andere, als eine moderne Glitzermetropole. Sie geht auf das 6. Jahrhundert vor Christus zurück und ist von jeweils parallelen Straßen und Kanälen in Manier eines doppelten Schachbrettmusters durchzogen.

Suzhou ist ein touristischer Höhepunkt ohne Gleichen. Vor allem, weil Suzhou als Wiege der klassischen chinesischen Gartenarchitektur gilt, die bis zu 500 Jahre vor Christus zurück reicht. Auch ohne jemals etwas über einen chinesischen Garten gehört oder gelesen zu haben, ziehen einen die Parkanlagen von Suzhou in ihren Bann. Zur Blütezeit der Ming-Dynastie (14. bis 17. Jh.) zählte man in Suzhou über 270 Gärten. Spätestens in dieser Zeit dürfte das Sprichwort die Runde gemacht haben, wonach es im Himmel ein Paradies gebe, aber auf Erden Suzhou. Die schönsten neun wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt, weil sie Kunst, Kultur und Geschichte verbinden und Ausdruck einer alten chinesischen Geisteshaltung sind.

Aus der Zeit gefallen

So knapp das Zeitbudget auch immer bemessen sein mag, mindestens zwei Nächte in Suzhou einzuplanen ist bestimmt nicht verkehrt, um wenigstens die beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten zu erleben. Je kürzer der Aufenthalt, desto sorgfältiger sollten Feier- und Wochenendtage gemieden werden. Sonst fällt es in den gutbesuchten Attraktionen schwer, die Szenerie auf sich wirken zu lassen. Die Liste der must-see wird angeführt vom berühmtesten und größten Park der Stadt. Der Garten des „Bescheidenen Beamten“ (zhouzheng yuan) wurde erst im 16. Jahrhundert er¬schaffen und ist damit auch eine der jüngeren Anlagen. Von der „Halle des Weiten Dufts“ in ihrer Mitte bietet sich ein grandioser Ausblick über Pavillons, Brücken und Gewässer. Die im Gegensatz dazu kleinste Anlage ist gleichzeitig eine der ältesten und dennoch imposantesten.

Im ausgehenden 12. Jahrhundert ließ sich ein Vize-Minister den Garten des Meisters der Netze (wangshi yuan) als Ort des Rückzugs und des stillen Protestes erschaffen. Völlig ungewöhnlich ist der Löwengarten (shizi lan), der 1350 von einem Mönch angelegt wurde. Neben Gewässern ist er vor allem von bizarren, labyrinthischen Felsformationen geprägt, die der Traumlandschaft des Mönches Gestalt verleihen. Vom Löwengarten kann man zu einer weiteren Atttraktion der Stadt spazieren, dem Seidenmuseum von Suzhou. Die Stadt war Jahrhunderte das Zentrum der chinesischen Seidenproduktion, über die man hier alles erfährt. Zudem ist der Museumsshop ausgezeichnet mit hochwertigen Seidenerzeugnissen bestückt.

Was es noch wissenswertes über Suzhou zu berichten gibt, darüber schreibe ich in der neuen Ausgabe des Reisemagazins Clever reisen! – Ausgabe 1.16 – hier online bestellen.

 

Text: Lutz Kaulfuß
Bildquelle: Lutz Kaulfuß

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.