MONTRÉAL – Kompliziert und unwiderstehlich

MONTRÉAL – Kompliziert und unwiderstehlich
MONTRÉAL – Kompliziert und unwiderstehlich

Andere Städte lassen sich leichter charakterisieren. Vancouver? Perle am Pazifik. Toronto? New York mit Medicare. Aber Montréal? Amerikaner finden Montréal wie Paris, nur ohne Jetlag. Weil Montréal meist französisch spricht und alle Prospekte die gallische “joie de vivre” beschwören. Dass ihnen die nette Kellnerin in tadellosem Englisch zu Hilfe kommt, stört nur diesen Schreiber. Der versucht nämlich verzweifelt, diese Stadt irgendwie in den Griff zu bekommen. Deutsche Touristen denken in Vieux-Montréal beispielsweise erst an Städtchen in der Bretagne. Bis sie irgendwann eine Ausfahrt blockieren und sich damit den Unmut eines Einheimischen zuziehen. Was der ihnen möglicherweise zuruft – es klingt vielleicht so wie “Bouge ton maudite char, calice!” – verstehen sie trotz bester Französischkenntnisse nicht.

English? Francais? Franglais?

Soundcheck. Montréal parliert Französisch. Aber was für eins! “Char” ist umgangssprachlich für “voiture” und dem englischen “car” entlehnt. Und “calice”, eigentlich der Kelch fürs Abendmahl, ist der stärkste von, wie es heißt, rund 900 Kraftausdrücken, die größtenteils aus dem Bereich rund um die Kanzel stammen und die es angeblich nur in Québec gibt. Historiker glauben, dass sie die Lösung der Frankokanadier vom Mutterland und die lange Zeit beispiellose Macht der katholischen Kirche reflektieren. Wie bitte? Québécois eine eigene Sprache? Oder doch eher “nur” ein amerikanisiertes Französisch?

Wer mehr von und über Montreal verstehen und kennenlernen möchte: In der aktuellen Ausgabe Clever reisen! gibt es den ausführlichen Tour-Tipp.

Text: Jürgen Zupancic
Bildquelle: Tourisme Quebèc

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