Viel mehr als nur ein Souvenir: La Palmas traditionelle Handarbeit

Traditionelle Handarbeit
In mühevoller Handarbeit stellen die Bewohner La Palmas kunstvoll gearbeitete Stoffe, Körbe und Zigarren auf traditionelle Weise her

Inmitten einer ursprünglichen und kraftvollen Landschaft haben sich die Bewohner La Palmas ihre Traditionen und kulturelle Identität bewahrt. Flämische Kunstwerke und das architektonische Erbe mit typischen Holzbalkonen, weißen Kirchen und bunten Städtchen zeugen von der spannenden Geschichte La Palmas als bedeutender Handelsposten. Ob einzigartiges Erinnerungsstück oder typisch palermisches Mitbringsel, in den vielen Bauernmärkten oder kleinen Werkstätten werden Urlauber bestimmt fündig. Viele der Fertigungstechniken sind Jahrhunderte alt, überwiegend kommen dabei lokale Materialien wie Holz, Stein, Lehm oder Tabak zum Einsatz.

Töpferei wie vor Jahrhunderten
Eine der ältesten Handwerkstraditionen auf der Insel ist die der Töpferei. Noch immer fertigen viele Kunsthandwerker La Palmas nach der Fasson der „Benahoaritas“, der ersten Einwohner der Insel. Diese kannten weder Töpferscheiben noch Brennöfen. Sie legten Tonstreifen über Tonstreifen und brannten die so erschaffenen Gefäße vermutlich im offenen Feuer. In reiner Handarbeit entstehen heute aus dem typischen dunklen Lehm aus dem Norden der Insel exakte Kopien der Originalfunde.

Wenn die Keramik dann ausreichend getrocknet ist, bekommt sie ihre erste Politur mit feuchten Bachsteinen. Im Anschluss folgen die charakteristischen geometrischen Gravuren der Ureinwohner in Form von Schleifen, Spiralen und Kurven. Nach einer zweiten Politur mit einer öligen Flüssigkeit wird der „Gánigo“ zwischen 12 und 14 Stunden bei einer Temperatur von etwa 700°C Grad im Brennofen gebrannt.

Die flinken Finger Hilanderas
Die letzte traditionelle Seidenmanufaktur Europas befindet sich in der Gemeinde El Paso auf La Palma. Von der Herstellung der Seide bis zur Verarbeitung sind hier alle Handwerksschritte unter einem Dach vereint. Die sogenannten „Hilanderas“ arbeiten hier mit einer seit dem 16. Jahrhundert kaum veränderten Technik. Das Know-how wurde in den Kunsthandwerker-Familien weitergegeben. Die Seidenherstellung beginnt hier mit der Zucht von Seidenraupen in den Maulbeerbäumen El Pasos.

Die Seidenspinnerinnen haspeln, zwirnen, wickeln und weben – mehr als zehn Arbeitsschritte umfasst der aufwändige Prozess. Dabei dürfen Besucher den „Hilanderas“ auf die flinken Finger schauen und bekommen die einzelnen Arbeitsschritte genau erklärt. Die Farbstoffe zur Kolorierung der Seidenfäden werden ausschließlich aus Pflanzen oder Pilzen gewonnen. Aus diesem Grund benannte man die Werkstatt schließlich in „Museum“ um und richtete im Obergeschoß einen Informationsbereich ein. Liebhaber der Textilkunst können hier ausgewählte Tücher und Krawatten erstehen. Weitere Informationen zum Museum unter www.lashilanderaselpaso.com/en/.


Detailverliebt und farbefroh: Stickkunst
Die Stickarbeit ist vielleicht das beliebteste Kunsthandwerk auf La Palma. Naturgetreu und detailliert werden die farbenfrohen Stickereien verarbeitet, für die die kanarischen Inseln so bekannt sind. Dadurch wirken die Blüten und Motive besonders plastisch. Jede der aufwendigen Stickarbeiten ist dabei einzigartig.

Als charakteristisch gelten Blütenmuster auf Tischdecken, Läufern und Sets, doch auch Kleidungsstücke wie Röcke, Schals oder Accessoires für Inseltrachten werden in traditionellem Kunsthandwerk verziert. Beste Qualität gibt sich durch die Rückseite zu erkennen, die ein Spiegelbild der Vorderseite sein sollte. In Mazo zeigt das Stickereimuseum die ältesten auf La Palma erhaltenen Stücke.

Roggenstroh, Brombeerruten und Palmenblätter: Korbflechterei
Noch älter als die archäologischen Funde aus Keramik sind die Überreste von geflochtenen Körben, die auf der Insel gefunden wurden. Auf La Palma werden viele lokale Naturfasern zu ursprünglichen Korbwaren verarbeitet. Aus Roggenstroh und Brombeerruten flechten die versierten Kunsthandwerker den „Balayo“, einen bauchigen Korb mit rundem Boden.

Helle und dunkle Ruten kreieren verschiedene Muster. Aus getrockneten und gebleichten Palmenblättern entstehen „Empleitas“ (Formen zum Pressen von Käse) oder Hüte. Die Rinde der Äste und Stämme von Kastanien werden von Kunsthandwerkern insbesondere für Transportkörbe benutzt.

Aus der Karibik bis nach Europa: Zigarren
Zigarrenmanufakturen, Rumproduktion und Bananenplantagen lassen Karibik-Feeling auf La Palma aufkommen. Tatsächlich besteht eine enge Verbindung zu Lateinamerika, die sich besonders in Sprache und Kulinarik manifestiert. Mit kubanischen Rückeinwanderern kamen Tabakpflanzen nach La Palma, die bis heute kultiviert werden. Unter Zigarrenkennern haben sich die „Puros Palmeros“ einen Namen gemacht und werden vor allem für ihr gleichmäßiges Abbrennen und die feine, weiße Asche geschätzt.

Auf La Palma stehen mehrere Betriebe, in denen nach wie vor traditionelle Werkzeuge zum Einsatz kommen, für Besucher offen. Im Museo del Puro Palermo erfahren Interessierte mehr über die Geschichte der Zigarrenherstellung auf der Insel. Weitere Infos unter www.museodelpuropalmero.com/de.

Bildrechte: Fremdenverkehrsamt La Palma, La Isla Bonita

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