Patagonien – Nirgendwo ist auch ein Ort

Petagonien
Wer durch Patagonien wandert, sollte unermessliche Leere lieben. Auf den Spuren von Charles Darwin, William Henry Hudson, Bruce Chatwin und Paul Theroux

Nichts geht mehr, wir stecken fest an einer sanften Steigung. Und mit uns eine Handvoll anderer Fahrzeuge ohne Allradantrieb. Ein bedrohlicher Himmel hat sich schwarzgrau über die argentinische Steppe gelegt, all seine Tore geöffnet und die lehmige Straße in eine ockerfarbene Schlammpiste verwandelt.

Eisig peitscht antarktischer Wind gegen die Scheiben unseres Minibusses und wir sollen aussteigen. Unser Fahrer scheint es wirklich ernst zu meinen. Zu schwer, meint er achselzuckend. Zwei Tage zuvor mussten wir sämtliches Gepäck in den Mercedes Sprinter laden. Die holprige Straße war einfach zu viel für unseren klapprigen Anhänger. Irgendwann polterte es mächtig. Wie ein Anker grub sich das Vehikel in den Schotter und bremste uns unsanft aus. Achsbruch.

Nun stehen wir also verloren im Sturm in dieser unsäglichen Einöde. Doch auch ohne unser menschliches Gewicht drehen sich nur die Räder durch im Schlamm.
Sollten sie am Ende doch alle recht behalten? Die Entdeckungsreisenden von gestern wie Ferdinand Magellan, Charles Darwin oder Sir Ernest Shackleton, und die Schriftsteller aus jüngerer Vergangenheit. Die, die Patagonien selbst bereist hatten wie Bruce Chatwin und Paul Theroux und die, die ihre Romanhelden dorthin verfrachteten. Edgar Allen Poe oder Herman Melville etwa.

Für den begnadeten Autor Chatwin stand jedenfalls fest: Seit seiner Entdeckung durch Magellan anno 1520 war Patagonien das Land der schwarzen Nebel und Wirbelwinde am Ende der bewohnten Welt. Eine Metapher für das Äußerste, den Punkt, über den man nicht hinausgehen konnte. In Melvilles Roman Moby Dick steht Patagonien für das Ungeheuerliche und verhängnisvoll Verführerische, für die „unnennbaren und unentrinnbaren Gefahren, die dort lauern, dazu noch die tausend Wunder, die Patagonien für Auge und Ohr bereithält.“

Wegen ein paar dieser tausend Wunder sind wir von weither gekommen und scheinen nun an genau dem Punkt zu sein, über den man nicht hinauskommt. Dabei begann unser Trekking-Abenteuer eine Woche zuvor unter Bilderbuchbedingungen. Mit stahlblauem Himmel und Sonne satt, einem moderaten Wind vom Westpazifik, dazu frühlingshafte Temperaturen mit ein paar Grad über Null. Einfach perfekt!

Auf dem Weg in den kalten Süden haben wir uns in prächtigen Südbuchenwäldern warmgelaufen und schließlich eine der unbekanntesten Gegenden Patagoniens gestreift, den Parque Nacional Laguna San Rafael mit dem Campo de Hielo Norte, dem Nördlichen Patagonischen Eisfeld. 120 mal 60 Kilometer misst dieser Panzer noch. Er ist ein Überbleibsel des Patagonischen Eisschilds, das vor rund 20.000 Jahren das ganze Land bedeckte. Majestätisch ragt der 4058 Meter hohe Gipfel des Cerro San Valentin in den klirrendkalten, klaren Himmel. Fürwahr ein König, keiner überragt ihn am Ende der Welt.
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Wir wanderten an den einsamen Ufern des grünlich schimmernden Lago Leones. Was will man mehr? Vielleicht noch eine gewaltige Granitformation, die in den See zu fließen scheint? Als Bühne für ein Fotoshooting der besonderen Art? Ja, sie gibt es dort. Oder eine noch viel gewaltigere Gletscherwand? Eine, die direkt hinter dieser Naturbühne 60 Meter senkrecht in die Höhe ragt und in ihren Spalten ein betörend blaues Licht zaubert? Sie ist dort. Kathedralen aus Eis, die hin und wieder tosend in den See krachen? Nach einer halben Stunde ein erster Donnerschlag. Vielleicht noch ein Kondor, ruhige Kreise am Himmel ziehend? Es waren sogar zwei. (Bilder: depositphotos)

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