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Venezuela: Unvergessliche Ausflüge in den Canaima Park
Ein Ausflug mit Stress und Strapazen - aber er lohnt sich: Gegen vier Uhr früh haben wir uns aus den Betten gequält, um dann fast drei Stunden mit der Uralt-Propellermaschine, Marke Twin Otter, von einem venezolanischen Luftloch ins nächste zu tauchen. Die Berg- und Talfahrt auf dem Weg zum Weltmeister der Wasserfälle ist nichts gegen den Sturzflug, zu dem nun der Pilot zwei Reihen vor mir ansetzt. Ist er vielleicht verwandt mit dem legendären Jimmy Angel? Jenem amerikanischen Buschpiloten, der vor über 60 Jahren den höchsten Wasserfall der Welt entdeckte, ihn mit seinem Namen und berühmt-berüchtigten Flugstil taufte und direkt am Salto Angel mit seiner fliegenden Kiste im Sumpf versank? Keine Zeit für Fragen, die Angst erkennen lassen. Der mutige Mann am Steuerknüppel legt die Twin Otter in atemberaubenden Kurven, immer und immer wieder. Linksrum, Klick, rechtsrum, klick, höher, klick, tiefer... und 20 Passagiere halten ihre Fotoapparate und Videokamaras gegen zerkratzte Fensterscheiben. Dias werden später beweisen, was das bloße Auge befürchtet: Leinwandfrust mit nur ein bisschen Angelfall, dafür aber mit einer Menge an Kratzern und Wolken. Von wegen, der “Salto Angel stürzt sich gut 1.000 Meter tief in die Unendlichkeit”, wie der Reisekatalog überschäumend preist. Ein mickriges Rinnsal sprüht aus dem Wolkenhimmel in Richtung grünes Tal, das auch Jimmys Ur-Ur-Enkel nun fast kopfüber ansteuert, um ja nicht den Canyon, unsere Bio-Flugschneise mitten im Urwald zu verfehlen. Und den Höhepunkt unseres Ausfluges: Kavac, laut Reiseleiterin Sylvia “der Mann, was raucht”. Der Wasserfall, der den Weltmeister vergessen lässt. Es ist wie beim Knoblauch: Entweder alle oder keiner. Einheitlich autan-getränkt aus Schutz vor Mücken und Malaria wandert unsere Gruppe los, lässt die Twin Otter auf der Buschwiese im Camarata-Camp verschnaufen und die Piloten in den Indio-Hütten schlummern. Eine Entdeckungsreise durch Steppengras, zu Lagunen, Dschungelbädern. T-Shirts und Shorts bleiben im Trockenen zurück, die Kameras in der wasserdichten Plastiktüte. Auf der letzten Etappe geht der Diaabend, zur Freude (?) der Daheimgebliebenen, endgültig den Bach runter, in dem wir das Gepäck nicht gebrauchen können. Wir schwimmen durch eine Schlucht, 50 Meter lang, meistens nur einen Meter breit und ungewiss tief. Wegen der Mineralien und Wurzeln, so erklärt uns Sylvia, ist das Wasser dunkelbraun. Warum es so eiskalt ist, verrät sie nicht. Am Ende des Canyons werden Gänsehaut und Mut belohnt. Hinter dem letzten Felsen versteckt sich eine Grotte, und durch diese himmlische Dachluke schießen Sonnenstrahl und Wasserfall, der mit seiner ganzen Kraft gegen die Felswände wuchtet, im Millionen Tropfen zersplittert und alles als Gischt übersprüht; bis auf einen kleinen Felsvorsprung, für uns Aussichts- und Sonnenterrasse zum Aufwärmen. Noch sind Camarata und der rauschende Wasserfall Kavac ein kleiner Geheimtipp. Wesentlich bekannter ist das Camp Canaima, zehn Flugminuten entfernt. Dort haben die Nachfolger von Dschungel-Rudi, einem Holländer, der sich schon vor Jahren in Canaima niederließ, alles straff organisiert. Touristen fliegen mit der vollbesetzten Boeing 737 mitten in den Urwald, werden mit Lastwagen zu den Reihenbungalows gefahren, bekommen Gutscheine. Um dann an den Buffet-Tischen Schlange zu stehen. Massenabfertigung! Auf dem Weg zu der Orchideeninsel (Blütezeit im April/Mai) werden wir von Indios begleitet, die nur einen Lendenschurz tragen, tote Giftschlangen, die sie vorher versteckt haben, auf einen Stock spießen - und abends in Jeans mit dem eigenen Wagen nach Hause fahren. Feierabend nach dem Kundendienst mit Abenteuer-Zuschlag.
(Stand: 30.08.2007)
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