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Indien: Leben mit dem Fluss in Kerala

Der Fluss von Kerala

Der Fluss von Kerala

Die Backwaters im indischen Kerala sind ein faszinierendes Labyrinth aus Kanälen, Flüssen und Seen. Wie der Fluss das Leben bestimmt, erzählt unsere Clever reisen!-Autorin in diesem Blog-Beitrag.

Ein Flickenteppich aus undurchdringlichem Grün, weiten Reisfeldern und Inseln, so klein, dass gerade einmal ein Haus mit Garten darauf passt, je nach Jahreszeit mal von mehr Salz-, mal von mehr Süßwasser umströmt. Ausnahmsweise stimmt hier das Klischee: Panta rhei, alles fließt. Der Fluss bestimmt das Leben.
In ihm wird gebadet und gewaschen, er liefert den Fisch fürs Curry und das Wasser für die Reisfelder.

Er ist Hauptverkehrsweg, verbindet mehr, als er trennt:
Schulkinder werden per Einbaum übergesetzt, Reissäcke im Ruderboot transportiert und indische Filmstars oder Touristen aus dem Westen lassen sich einfach so, zum Vergnügen, die 900 Kilometer langen Wasserstraßen entlang schippern, im kettu vallam, dem palmstrohgedeckten Hausboot, inklusive eigenem Koch. Es ist die komfortabelste Art, in den Alltag der Dörfer an den Backwaters zu reisen.

Halt in Mancombu, einem Dorf zwanzig Kilometer südöstlich von Alleppey. Vijo Job, 25 Jahre alt, empfängt die Besucher am Steg und bittet zum Tee in das Landhaus, das sein Urgroßvater vor 150 Jahren gebaut hat.

In den teakhölzernen Lagerräumen, in denen früher der Reis getrocknet wurde, nächtigen heute Touristen; der gigantische Kupferkessel für das Festtagsmahl bei Hochzeiten dient als Tischuntersatz. Die Reisfelder hinter dem Haus hat die Familie verpachtet, sie zu verkaufen käme weder Vijo noch seinem Bruder Vinod in den Sinn. In den letzten Jahren sind die Getreidepreise gestiegen, das Geschäft lohnt sich wieder – und außerdem hängt auch etwas Herzblut an der Landwirtschaft. Die Setzlinge für den Garten hinterm Haus etwa hat der Großvater eigenhändig aus den Bergen von Periyarin in die Ebene gebracht.
„Unser Grundstück liegt etwas höher als das der Nachbarn. Das schützt vor dem Monsun.“ Stolz führt Vijo zu Zimt-, Curry- und Muskatnussbäumen, Kardamom- und Pfeffersträuchern und natürlich zur Kokospalme.

Weitere Erlebnisse aus Kerala und den Backwaters finden Sie in der aktuellen Clever reisen!-Ausgabe 4.15 – Clever reisen!-Ausgabe 4.15.

Text: Jürgen Zupancic
Foto: Kerala Tourism

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