Europa

Frankreich: Bordeaux von seiner schönsten Seite

Das Prachtstück

Morgens, so gegen neun Uhr oder früher, das ist die beste Zeit, um das Prachtstück Bordeaux, den Börsenplatz zu genießen. Die Morgensonne hebt die Konturen der Fassade und des Brunnens hervor. Er ist das Zentrum der Platzes, der von drei Seiten von Gebäuden begrenzt wird und an der vierten Seite vom Straßenzug entlang der Garonne. Dort sind am Morgen erst wenige Menschen unterwegs, um ein Schauspiel zu bewundern, das sich seit 2007, als das gesamte Garonne-Ufer neu gestaltet wurde, in kurzen Abständen wiederholt. Etwa in der Größe eines Fußballfeldes hat Landschaftsarchitekt Michel Courajoud schwarze Steinplatten gegenüber der Börse platziert, den „miroir d’eau“, den Wasserspiegel. Wasser steigt zwischen den Ritzen empor und bildet einen dünnen Film, in dem sich die Fassade der Börse spiegelt. Minuten später dringt Sprühnebel aus Düsen und lassen den Platz und den Autoverkehr dahinter im Dunst verschwimmen.

Promenade entlang der Garonne

Kilometerlang folgt von hier aus die Uferpromenade der Biegung des Flusses, flussaufwärts begrenzt von der ältesten Brücke der Stadt, der „Steinernen“, flussabwärts von ihrem modernen Gegenstück, der Brücke „Jacques Chaban-Delmas“ mit ihren vier weißen Riesenpfeilern, benannt nach dem langjährigen Bürgermeister der Stadt. Jogger traben das Geländer entlang. Radler gelangen über die Promenade an das andere Ende der Stadt. Nach einiger Zeit sind die ehemaligen Lagergebäude des Hafens erreicht, in denen die „negociants“, die Weinhändler Bordeaux, früher ihre gut gefüllten Fässer lagerten. Die Hangars sind heute umfunktioniert zu einem Gemisch kleiner Läden mit internationalen Marken von Bekleidung, Schmuck und Haushaltswaren.

Wein machte wohlhabend

Spätestens jetzt ist es Zeit für einen Abstecher ins Viertel von Chartrons, dem ehemaligen Quartier der Weinhändler aus England, Flamen und Irland, die sich hier im 17. Jahrhundert niederließen. Bis heute strahlt das Viertel um die sanierte „Halle des Chartrons“ die Wohlhabenheit aus, die Bordeaux dem Wein verdankt. Unter dem Dach, das von gusseisernen Pfählen getragen wird, herrscht Bistroatmosphäre. Cafés, Blumenläden, Teegeschäfte und Antiquitätenhändler drängen sich in den Straßen. Ein paar Schritte weiter kündigen Vater und Sohn stolz an, dass sie gemeinsam als Möbelrestaurateure arbeiten. Daneben bietet ein Designerladen Sessel an, so tief und niedrig, dass es kein rückengeplagter Büromensch je wieder hinaus schafft. In der vergitterten Werkstatt eines Uhrmachers quillen die vermackten, ölbefleckten Holztische über von Stechuhren, Armbanduhren, Wanduhren und Stehuhren jeden Alters und jeden Stils.

Mächtiges Zeichen

Die Abendsonne spiegelt sich in der Fassade des Weinmuseums von Bordeaux, der cité du vin.

Die Abendsonne spiegelt sich in der Fassade des Weinmuseums von Bordeaux, der cité du vin.

Zurück an der Garonne drängt sich schnell das neue Wahrzeichen Bordeaux in den Blick, die „Cité du vin“, das 2016 eröffnete Weinmuseum mit seiner Fassade aus 2500 grün und gelb-gold reflektierenden Auminiumplatten. Der hingeschlängelte Baukörper, der in einen Turm übergeht, erinnert manchen Betrachter an eine Weinkaraffe, andere an einen gekrümmten Rebstock. Unübersehbar markiert das mehrstöckige Bauwerk den Übergang zum alten Hafenviertel Bacalan. Es ist ein mächtiges Zeichen für den Neubeginn des Quartiers, das städtebaulich von Grund auf saniert wird. Es dauert gute zwei Stunden, um sich an den 19 multimedialen Themenstationen des Museums wenigstens einen ersten Überblick über die Vielfalt des Weins in dieser Welt zu verschaffen. Dann endlich geht es in den achten Stock, wo die Weinbar warten und die Aussicht auf den Fluss, die Promenade, den alten Hafen und die Stadt mit ihren vielen Quartieren, die noch zu erkunden sind.

Günstig fliegen nach Bordeaux

Air France bietet Flüge von mehreren Flughäfen nach Bordeaux an, die aber in der Regel mit einem Umstieg und einem Flughafenwechsel in Paris verbunden sind und ab 380 Euro (hin und zurück) kosten. In der Hochsaison im Sommer gibt es von Frankfurt aus auch Direktflüge von Air France. Easyjet fliegt Bordeaux von Berlin und Hamburg drei- bis viermal wöchentlich an, zu Preisen ab etwa 110 Euro für Hin- und Rückflug. Weitere Direktflüge gibt es von Volotea. Die spanische Fluggesellschaft fliegt von München je nach Saison drei- bis viermal wöchentlich, pro Strecke gibt es Flüge schon für 40 Euro. Eine Überlegung wert ist auch ein Flug ab Straßburg mit volotea. Hin- und Rückflug kosten um die 110 Euro, Sonderangebote sind noch günstiger. Auch die Lufthansa fliegt von April bis Oktober von Frankfurt aus direkt. Preis: etwa 280 Euro

Text: Gabriel Schultheiß
Bild: Depositphotos, Gabriel Schultheiß

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