Karibik / Südamerika

Barbados – Karibisch ohne Karibische See

Barbados Little EnglandBarbados ist bis heute very british. Der Urlauber macht Ferien auf Augenhöhe mit Einheimischen. Deshalb haben die Gäste auch nicht ständig zehn „Nervensägen“ im Nacken. Im Prinzip sind sich alle einig. George Lamming, der einzige renommierte Romancier der Insel, sagt es.

Ebenso wie Miss Pilgrim in ihrem Strandkiosk am Rockley Beach oder Immobilienmakler Richard Mahon, zu dessen Kunden auf der Insel Cliff Richard, Mick Jagger, Paul McCartney oder Rod Steward gehören: Barbados ist ein sonnenverwöhntes, mit Stränden gesegnetes karibisches Little England.


Und wer zweimal den Bus nimmt, weiß auch warum: Besser ist der Spagat zwischen karibischer Ausgelassenheit und puritanischer Erziehung nicht zu erfahren. Während man auf anderen karibischen Inseln irgendwie immer ein mulmiges Gefühl hat, vor allem nachts, mit einem öffentlichen Bus zu fahren, erlebt man auf Barbados lediglich den Unterschied zwischen staatlich-blau und privat-gelborange, zwischen britisch geprägt und karibisch normal.

Im blauen Bus hängen große Schilder mit Aufschriften wie: „Sprechen Sie nicht mit dem Fahrer während der Fahrt“ oder „Essen und trinken verboten“ oder „Das Spielen von Musik ist untersagt“. Der Fahrer sieht aus wie vom Finanzamt: Im hellblauen Hemd mit Bügelfalte kontrolliert er am vorderen Eingang den abgezählten Fahrpreis (wer überzahlt, bekommt kein Rückgeld!), der in eine Plexiglas-Box eingeworfen wird. Alle Fahrgäste halten sich an die ausgeschriebenen Regeln. Sie sprechen nicht, essen nicht, trinken nicht, machen keine Musik, bezahlen passend. Und die Busfahrer kutschieren im Stil eines Pepita-Sonntagshut-Chauffeurs.

Die Kollegen von den privaten, gelborangenen Bussen tragen Baseball-Kappe und auch mal ein T-Shirt, das vielleicht schon gestern in der Waschmaschine hätte landen sollen. Sie fahren ihre Busse wie Rennwagen, während irgendwie von vorne oder hinten im dichten Gedränge eine offene Hand vor einem auftaucht. Man kann bedenkenlos einen lokalen Zehn-Dollar-Schein reinlegen.

Nach einer Weile kommen acht Dollar zurück. Auch US-Dollar werden akzeptiert. Der Bus-Boy gibt dann – mitunter über mehrere Hände anderer Fahrgäste weitergereicht – akkurat in Barbados-Dollar das Wechselgeld zurück. Geschummelt wird nicht. Und Reklamieren hätte sowieso keinen Sinn: Im Bus wummert aus den Boxen Hip-Hop, Calypso oder Reggae (je nach Gusto des Fahrers). Aus Bob Marleys legendärem Album „Babylon by bus“ wird hier der Live-act Barbados by bus.


 

Dabei können die Passagiere dieselben sein, die zuvor im blauen Bus keinen Pieps von sich gegeben, nicht gegessen, getrunken und musiziert haben. Dr. British und Mr. Bajan? Ja! Auf Barbados steht die Nelson-Statue am Trafalgar Square und es gibt die völlig unverbaute Bottom Bay, ohne Zweifel eine der schönsten Buchten, die es im karibischen Raum gibt. In einem karibisch-einfachen „Rio Guesthouse“ findet man für 50 Barbados-Dollar pro Nacht das günstigste Doppelzimmer der Insel. Während im britischen „Sandy Lane“ 1000 bis 20.000 US-Dollar pro Nacht verlangt werden.

Der Doorman schlendert mit Shorts und Slippers zur Arbeit. Schlüpft er aber in seine Hoteluniform, ist er nicht nur äußerlich kaum wieder zu erkennen: Der lockere Karibe wird zum britischen
Angestellten.Jeder Tourist profitiert von diesem britisch- karibischen Wechselspiel. Besucher schätzen die Sicherheit, die politische Konstanz und die Infrastruktur der Insel. Bajans sehen in Touristen noch Gäste, die man gerne umsorgt, die man aber weder ausnimmt noch permanent unterwürfig bedient. (Text und Bildrechte: Jochen Müssig/AdobeStock- Simon Dannhauser)

Weiter im Text geht es in der Clever reisen! 4/18

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